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Julia Marcell (PL)

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Releases
June (2011)CD
It Might Like You (2009)CD
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Als der Klavierlehrer ihr nicht die geringste Zukunft an diesem Instrument voraussagt, greift sie zur Gitarre, um ihre Songs zu schreiben. Viele Songs. Bestimmt 200 noch als Teenager. Inzwischen spielt sie hervorragend Klavier. Aufgehört zu schreiben hat sie bis heute nicht. Die Rede ist von Julia Marcell, einer jungen Frau mit einer alles mitreißenden Stimme. Einer Stimme, die fordert und treibt und gleichzeitig alle Türen öffnet und uns willkommen heißt. Und wer seinen Liedern eine derartige Stimme verleiht wie Julia Marcell es vermag, der muss raus. Raus auf die Bühnenbretter. Auf deutsche, polnische, japanische, portugiesische oder US-amerikanische. Die Bühnenerfahrung hat Julia kreativ nur noch experimentierfreudiger werden lassen. Ihre Energie noch größer.

Julia Marcell hat erst gar nicht versucht, den klassischen Weg des Musikbusiness’ über Major Labels und A&Rs zu gehen. Die Musikliebhaber selbst sollten über ihre erste EP urteilen. Vorbehaltlos und direkt. Dazu stellt die Künstlerin ihre Musik auf der Internetplattform SellaBand vor. SellaBand gibt Künstlern via Crowdfunding die Möglichkeit, ein professionell aufgenommenes Album abseits des ganzen Industrie Tam-Tams zu veröffentlichen. Julia’s Sounds verfehlen ihre Wirkung nicht. Auch Moses Schneider, Erfolgsproduzent der Beatsteaks, Tocotronic und Turbostaat gefällt, was er hört. Inspiriert von ihrer Musik produziert er 2008 Julia’s Debutalbum „It Might Like You.“ Gemeinsam schaffen sie etwas, das einfach grandios ist und auch international größte Aufmerksamkeit erregt: Julia spielt u.a. zwei Shows beim South by Southwest-Festival (SXSW) in Austin.

Drei Jahre sind inzwischen ins Land gezogen, und Julia Marcell hat ihre polnische Heimat gegen Deutschland getauscht. Olsztyn gegen Berlin. „Ich musste meine kleine, heile Welt genau so verlassen, wie meine musikalische“, blickt sie zurück, „ich wollte wissen, was der kreative Kosmos für mich noch bereithält. Dazu mussten neue kreative Impulse her.“ Ihr Umzug ist nur konsequent. Durch ihr Schaffen schart Julia auch in Berlin schnell eine kreative Gemeinde um sich. Die Arbeit am neuen Album beginnt.

„June“ basiert auf Rhythmus. Während ihrer Tour zum ersten Album spielte Julia zum ersten Mal live mit einem Drummer. Das änderte auf eine Art auch ihre Herangehensweise an Musik und ans Schreiben. „Die neuen Songs stehen mehr für sich selbst. Sie wollen keine Geschichte erzählen, von A nach B führen. Sie bewegen sich im Raum, hypnotisch und rhythmisch und erzeugen eine bestimmte Atmosphäre. Sie sind wie Bilder, ganz im Gegensatz zur Literatur des letzten Albums. Ich konstruierte die Stücke vom Rhythmus her und ließ die Melodie folgen.“, erklärt Julia, „Mein Ziel war es, alles organisch fließen zu lassen: die einzelnen Instrumentalparts und die Stimme. Einfach alles.“ Julia hebt die für sie typische, doch unvergleichliche Melange aus Komposition, Arrangement, Instrumentierung und Gesang auf eine neue, kreative Stufe. Mit ein wenig Elektronik lässt die junge Musikerin die mehr perkussiven Stücke satt leuchten. „Meine Arrangements sind vielseitig, auch in ihrer Instrumentierung, aber hauptsächlich habe ich Drums eingesetzt. Ich experimentiere viel mit den metrischen Strukturen und auch mit Polyrhythmik. Doch in ihrem Herzen, in ihrer Direktheit sind es Popsongs.“ Diese Strahlkraft zieht ein Team an, dem erneut Moses Schneider und sein Studiopartner Ben Lauber angehören. Weiterhin arbeitet an diesem Album der international erfolgreiche Mixing Produzent Michael Ilbert (The Hives, Grönemeyer oder The Cardigans). Mit ihrer Unterstützung erschafft Julia ein Gesamtkunstwerk, welches sie von Beginn an vollständig in ihrem Kopf zu tragen scheint und Schritt für Schritt zum Leben erweckt. Mit einer unglaublich klaren – sowohl musikalischen als auch grafischen – Vision  setzt sie ihre Kompositionen zusammen und legt mit „June“ ein Album vor, das jeglichen Vergleichen locker standhält. Das erkennt auch das Liebhaberlabel Haldern Pop Recordings und lädt Julia nicht nur ein, beim Haldern Festival 2011 live zu spielen, sondern nimmt die Künstlerin auch direkt unter Vertrag.

Julia’s unbändige Kreativität und ihre mitreißende Energie schaffen ein rhythmisches Spannungsfeld, von dem eine magnetische Anziehung ausgeht und dessen elektronischen Ausprägung eine tiefgreifende, emotionale Wirkung zeitigt. Ihre Songs sind so zwingend, dass der Beat zu spüren ist, bevor er zu hören ist. Auf dem Hintergrund dieses Rhythmusteppiches greift sich Julia’s unvergleichliche Stimme Raum. „Ich bin mir darüber klar geworden, dass ich ein Klanggebäude erschaffen kann, in welchem jede Note ihren verdienten und notwendigen Platz findet.“ sagt Julia. Eine wunderbare Erkenntnis – denn es sind genau diese liebevoll gestreuten Details, die „June“ so besonders machen und bei jedem Hören erneut auf Entdeckungsreise einladen. Mit seiner Arrangierkunst, seiner Melodieverliebtheit, seiner Experimentierfreudigkeit und nicht zuletzt wegen seiner Nachhaltigkeit wird sich dieses Album sicher einreihen in die Liga der ganz großen Werke. Und dort gehört „June“ definitiv auch hin.

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