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Haldern Pop Tagebuch – Tag 54 Hausmusik & Zuhausmusik Vol. VI

Tag 54-1600

09. Mai 2020

Hausmusik

Macht noch einer von Euch Hausmusik mit der Familie, einmal im Jahr oder regelmäßiger? Gibt’s ja eigentlich kaum noch, stell ich mir aber, wenn man es kann, richtig gut vor. Kann gut damit leben, manche Dinge einfach nicht zu können, aber die Chance zu haben, sie dennoch in Anspruch zu nehmen, durch Freundlichkeit oder im Tausch, mit dem was man kann, gefällt mir sehr. Sich für das Können der Anderen zu begeistern, hat auch was Verbindendes und läßt uns nicht träge, sondern horizontal der Welt begegnen. Wenn ich Musik höre, haben mich noch nie Selbstzweifel zu Boden gerissen, aber Lieder in die Höhe gehoben. Vielleicht könnte Hausmusik sich wieder in den kalten Wintern des Paznauntals ansiedeln, wenn die Gäste Zuhause bleiben, die geistigen Verwüstungen sich langsam und musisch regenerieren. Schatzi war gestern, Bach streichelt die Seele. Genau wie unsere heutigen Vorschläge aus dem Haldern Pop Shop, wobei man fairerweise sagen muss, dass der ein oder andere Rezensent auch ein ausgezeichneter Musiker ist.

SR/Haldern Pop
Foto: Christoph Buckstegen

 

Haldern Pop Diary – Day 54
09 May 2020

Family music

Do any of you still play music with your family, once a year or more regularly? There are hardly any, I guess, but I imagine it to be really good, if you can play. I can live well with the fact that I simply can’t do some things, but I really like the chance of taking advantage of them anyway, through friendliness or in exchange with what I can do. To be enthusiastic about the abilities of others also has something connecting and allows us to encounter the world horizontally rather than lazily. When I listen to music, self-doubt has never pulled me down, but songs have lifted me up into the air. Perhaps family music could settle again in the cold winters of the Paznaun valley, if the guests stay at home, the spiritual devastation regenerating itself slowly and musically. Schatzi was yesterday, Bach caresses the soul. Just like our suggestions from the Haldern Pop Shop today, although it has to be said in all fairness that one or two reviewers are also excellent musicians.

SR/Haldern Pop
Photo: Christoph Buckstegen

Zuhausmusik Vol. VI

Schreibt an jeff@haldern-pop.de, falls ihr an einer der Platten interessiert seid und wenn sie noch zu haben ist, mailen wir Euch die Überweisungs-/Paypal + Porto Infos. Sobald das Geld da ist, schicken wir die Pakete innerhalb von 2 Tagen zu. (Bei Abholung an der Pop Bar kein Porto) Falls Ihr an einem Platten-Paket mit zzgl. ei-ner Flasche Kalterer Weißwein oder an einem Van Nahmen Fruchtsecco (alk.frei) für jeweils EUR 8,- interessiert seid (dann kein Versand), stellen wir euch hier an der Pop Bar das Paket mit der ein oder anderen Überraschung zum Abholen bereit.

 

Alex’ Empfehlung: Anna Calvi – Hunted (LP 24,-)
Auf dem Papier haben wir keine spannendere Platte im Laden. Hunted. Und dabei wird Calvi meistens weniger von den Songs und mehr von ihren Gästen gejagt. Talbot, Gainsbourg, Barnett & Holter finden sich auf dem Spielfeld wieder. Ein Team, dass ohne großes Budget hart arbeitet, schlau agiert und deshalb gewinnt. Ein bisschen wie bei dem Film “Moneyball” mit Brad Pitt. Die große Hunter LP wird auf eine zierliche Runde zusammengestaucht. Drei Songs werden ausgemustert, die anderen kommen auf Base und schlagen mehrere Home-Runs.

Mirko‘s Empfehlung: Half Moon Run – A Blemish In The Great Light (LP Smoke Marble Vinyl 24,-)
Eine Band, die ich zugegebenermaßen in den letzten Jahren ein wenig vernachlässigt und aus den Augen verloren habe, sind Half Moon Run. Eigentlich verwunderlich, da ihr Debütalbum und vor allem ihr Auftritt im Spiegelzelt einen bleiben Eindruck hinterlassen haben. Full Circle als Teil unserer DVD zum 30-jährigen Jubiläum zählt für mich immer noch zu den besten Darbietungen, die ich in meiner Haldern-Zeit gesehen habe. Kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich mir das anschaue. Umso erfreuter war ich nach dem ersten Durchhören ihres aktuellen Albums “A Blemish In The Great Light”. Ich kann gar nicht genau sagen, was es ist, aber die ersten drei Songs katapultieren mich so dermaßen zurück ins Jahr 2012, dass ich es selber kaum glauben kann. Das sind wirklich gute Songs, tolles Songwriting und über das Gesangstalent der jungen Herren aus Kanada brauch man sowieso nicht zu diskutieren. Eine sehr gute Platte, die ich hiermit gerne empfehle.

Basti’s Empfehlung: Fontaines D.C. – Dogrel (LP 22,-)
Tulpenfieber hieß die Zeit, in der in Amsterdam für eine Tulpenzwiebel auch schon mal der Gegenwert eines Patriziershauses gezahlt wurde. Das 17. Jahrhundert, die goldene Zeit der Niederländer wiederholt sich in Haldern des Öfteren: Manche Tulpenzwiebel wurde hier schon an den Mann und die Frau gebracht. Einmal weitergegeben und eingepflanzt, blühten die wunderschönen bunten Blumen sehr bald in ganz Europa. Auf den Blumenfeldern des Kontinents werden die Fontaines D.C. zwar dieses Jahr nicht blühen können: Absagen aller großen Festivals, die sie gespielt hätten…
Aber lasst uns „Dogrel“ bewahren wie eine Tulpenzwiebel. Das Debutalbum gehörte zu den Alben des Jahres 2019. Postpunk, der nicht nur das Spiegelzelt erzittern ließ. Welche Farbe erwartet uns bei der Blüte? Rot und grau – wie das Glühen einer Zigarette, nach einem ganz intensiven Zug an ihr! Noch schnell bei uns kaufen, bevor im Sommer der Nachfolger „A hero’s death“ als neue Blüte der Band treibt…

Stefan‘s Empfehlung: The Stone Roses – The Stone Roses (LP 23,-)
The Stone Roses purzelten aus dem Nichts auf unsere dramadurchtränkten Hörgewohnheiten der späten Achtziger. Sie überrollten mich komplett im Frühjahr 1989 während meines Zivildienstes in Münster. Madchester hatte dann noch The Charlatans und James zur Folge, wie schön. Hacienda in Manchester war der Hotspot der damaligen Zeit, Rave, Rock, Pop und alle fingen wieder an zu zappeln. Hatte früher eine alte Kladde mit all den Telefonnummern, Erledigungen, Ideen und stolperte noch Jahre später über die Telefonnummer des Managers. Hat als Ganzes nicht geklappt, wie Ihr wohl wisst, Ian Brown kam dann doch 2002. Frisch geschoren aus Japan angereist, stand er am Abend gebannt vorm Feuer und versuchte Holz zu spalten. Das war gefährlich und wir mußten das beenden. Dieses Album elektrisierte mit seinen fantastischen Gitarren und diesem unfassbar tanzbaren Groove, es packt mich bis heute. Die Platte ist ein Meilenstein meiner musikalischen Wahrnehmung. The Stone Roses waren anders. Dreist, kernig und unverfroren, die Beste Antwort auf diese verklebenden Keyboardteppiche, diese musikalische Zeit schien in Haarspray und Synthetik zu ersticken. Eine kleine Zeitenwende. Da hatten auf einmal die Beatles mit den Stones zu tun. Es waren Jungs, die wußten, wie ihre Straße, ihre Stadt und ihr Leben in diesem Moment klingen sollte. Oasis werden ihnen immer dankbar sein.

Stephan‘s Empfehlung: Air – sexy boy (7inch) RSD18 (LP 21,-)
Es gibt eine schöne Anekdote zu dieser musikalischen Tagträumerei von Air. Nicolas Godin hatte sich einen Höfner-Bass aus den 1960er Jahren geliehen (das Modell, das Paul McCartney in den Beatles gespielt hat) und in einen Gitarrenverstärker gesteckt. Dadurch entstand dieser erstaunliche Sound: sehr kühl und trocken. Eines Tages spielte er seinen musikalischen Partner Jean-Benoît Dunckel einen Riff vor und so entstand ein Song über dass, was Sie damals immer sein wollten, als sie jünger waren und ihre Freunde immer mehr Erfolg bei den Mädchen hatten – ein „Sexy Boy“.

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